|
|
 |
|
50 Jahre Deutsch-Peruanische
Schule
“Alexander von Humboldt”
(1952-2002) |
por Teodoro
Hampe Martínez |
|
| Wir stehen
kurz vor dem zweihundertjährigen Jubiläum
des Besuchs des preußischen Gelehrten Alexander
von Humboldt (1769 – 1859) im Gebiet des
Vizekönigreichs Peru, und um dieses Ereignis
würdig zu begehen, wurde eine Reihe künstlerischer,
kultureller und wissenschaftlicher Veranstaltungen
geplant.
|
| |
| Nachdem Baron von Humboldt
ausgiebig die Küste von Venezuela, das Orinoco-Becken,
die Insel Kuba und die weiten Gebirgsketten von
Neu Granada und Quito bereist hatte, betrat er
am 2. August 1802 das Gebiet, das zum Regierungsbezirk
von Lima gehörte, wobei er zuerst die Ortschaft
Ayabaca im Hochland der jetzigen Provinz Piura
besuchte. Wie er im ausführlichen Bericht
über seine Amerika-Reise mitteilt, war der
ursprüngliche Grund seiner Reise nach Peru
der Wunsch, sich mit der von Nicolas Baudin geleiteten
französischen Umsegelungsexpedition zu treffen.
Baudin hatte sich jedoch entschlossen, seine Route
zu ändern, weshalb es nicht zum Treffen mit
dem Baron an der Küste Amerikas kam. |
|
Humboldt, den die fernen
und exotischen Orte faszinierten, träumte
davon, auf seiner Reise auch die polynesischen
Inseln und sogar die Philippinen zu besuchen.
Wenn er sich diesen Wunsch auch nicht erfüllen
konnte, so hat er doch während seines viermonatigen
Aufenthalts auf peruanischem Boden die Möglichkeit
gehabt, in der Nähe von Trujillo zum ersten
Mal den Pazifischen Ozean zu bewundern und Merkur
an der Sonnenscheibe vorbei ziehen zu sehen. Er
nutzte seine Reise außerdem dazu, Studien
über das Amazonas – Becken, die Anden,
die Flora und Fauna, die monumentalen Spuren der
vorspanischen Zeit und die zeitgenössische
soziale Realität im Vizekönigreich anzustellen.
Von Humboldt erforschte nicht nur die naturwissenschaftlichen
und geographischen Merkmale des Landes, sondern
befasste sich auch intensiv mit historischen,
politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragestellungen,
wobei er mit seinen Schilderungen ein detailliertes
Bild vom Leben in Peru zu Beginn des 19. Jahrhunderts
hinterließ. |
|
Es gibt deshalb viele gute
Gründe, dieses zweihundertjährige Jubiläum
zu feiern, wobei das immer noch gültige Vermächtnis
Humboldts hervorzuheben ist, nämlich sein
Aufruf zur interdisziplinären Zusammenarbeit
und zur multikulturellen Toleranz. In diesem Zusammenhang
möchte ich meinen eigenen Beitrag zu einem
anderen großen Tag in diesem Jahr leisten,
dem 50jährigen Jubiläum der Deutsch
– Peruanischen Schule „Alexander von
Humboldt“ (1952 – 2002). Wenn mich
die Leiter dieser Schule gebeten haben, diese
Worte bei einer so wichtigen Feier an Sie zu richten,
geschah dies zweifellos, weil ich mich beruflich
der Geschichte widme, das heißt der Kunst,
die Vergangenheit heraufzubeschwören und
darzustellen. Es fällt mir jedoch nicht leicht,
auf ein paar Seiten all die während einer
langen Forschungsarbeit gesammelten Aufzeichnungen
und meine persönlichen Erinnerungen an die
Humboldtschule, die ich vor einem Vierteljahrhundert
verlassen habe, zusammen zu fassen. Aber lassen
wir einfach die Vergangenheit vorbeiziehen. ..... |
|
|
Deutsche Ausbildung in Peru:
die Vorgeschichte
|
|
Die Gründung der Deutschen
Schule im Hafen von Callao um das Jahr 1864 herum
stellt den Beginn deutscher pädagogischer
Aktivitäten in der Republik Peru dar. Vor
diesem Hintergrund und Dank der Initiative von
Herrn Manuel Pardo – dem höchsten zivilen
Führer in der Zeit vor dem Pazifikkrieg –
and anderer namhafter Persönlichkeiten konnte
1872 das Institut von Lima gegründet werden.
Für diese Ausbildungsstätte wurden fünf
deutsche Lehrer vom Gymnasium der Stadt Köln
unter der Leitung von Dr. Leopold Contzen verpflichtet,
die eine ähnliche humanistische Ausbildung
wie in den bedeutendsten Sekundarschulen des Reiches
sicherstellen sollten. Am 1. April 1872 nahm das
Institut von Lima seine Tätigkeit in einem
gemieteten Gebäude in der Straße Riva
auf, dem vierten Straßenblock des heutigen
Jiron Ica. Die vorherrschenden Sprachen waren
Deutsch, Latein und Griechisch. |
|
Anschließend wurde
ein ziemlich großes Gebäude an der
Avenida Grau gebaut. Aber die allgemeine Niedergeschlagenheit
im Anschluss an die Niederlage im Krieg gegen
Chile machte es schwer, die ehrgeizigen Ziele,
mit denen dieses Institut errichtet worden war,
zu erreichen. Deshalb sah man sich um 1910 gezwungen,
in unserer Stadt eine neue und unter den gegebenen
Umständen angemessenere Deutsche Schule zu
eröffnen. Diesmal kam die Initiative von
einem Dreigestirn aus der deutsch – peruanischen
Gemeinde, und zwar von den Herren Walter Justus,
Fernando Oechsle und Adolfo Dammert. Die Deutsche
Schule wurde in der Straße Mascarón
– fünfter Straßenblock des Jiron
Cuzco – eröffnet und war ein gemietetes
Haus mit dunklen Zimmern, das für den Schulbetrieb
nicht sonderlich gut geeignet war. |
|
Der erste Leiter der neuen
Einrichtung war Dr. Erich Zurkalowski –
Lutheraner, Lehrer für Weltgeschichte und
„ein gutmütiger Mann von hagerem Aussehen
und mit einer ausgezeichneten akademischen Bildung“,
wie sich ein berühmter früherer Schüler,
Estuardo Núñez, erinnert. Unterrichtet
wurde morgens von 8 bis 12 Uhr und nachmittags
von 15 bis 18 Uhr. Es wurde von Anfang an festgelegt,
dass der Lehrplan einen deutschen Charakter haben,
jedoch Raum für die spanische Sprache und
die peruanische Geschichte und Geographie lassen
und sich so weit wie möglich den schulischen
Bestimmungen des Landes anpassen sollte. Anstatt
Latein und Griechisch wurde schwerpunktmäßig
Englisch unterrichtet, eine Sprache, die ab der
4. Grundschulklasse Pflichtfach sein sollte. Und
aus pädagogischer Überzeugung sollte
die Verleihung von Preisen, Urkunden und Medaillen
auf ein Minimum beschränkt werden. Erwähnenswert
ist sicherlich, dass Jorge Basadre (1903 –
1980), der große peruanische Historiker,
Gelegenheit hatte, in Berlin den bereits erwähnten
Dr. Zurkalowski einige Jahre nach seiner Rückkehr
aus Peru zu sprechen. In seinen Memoiren „Das
Leben und die Geschichte“ (1975) erinnert
sich Basadre an diese Persönlichkeit: „Eines
Tages fragte ich ihn: ‚Sie haben lange Zeit
peruanische Kinder unterrichtet und unterrichten
heute eine große Anzahl deutscher Kinder
– welchen Unterschied finden Sie zwischen
den einen und den anderen?’ Er überlegte
eine Zeitlang und sagte dann: ‚Die Peruaner
lernen schnell und vergessen bald und die Deutschen
lernen mit größerer Schwierigkeit,
aber dann vergessen sie es nicht mehr ...’“
Was für eine Beobachtung! |
|
|
Blütezeit und Ende der
Deutschen Schule
|
|
| Um die Atmosphäre,
die zu Beginn in der Deutschen Schule in Lima
herrschte, zu beschreiben, greift man am bestem
auf die informativen und leidenschaftlichen Seiten
zurück, die ihr Jorge Basadre in seinem bereits
erwähnten Buch widmet. Er stellt darin u.a.
fest, dass die Ausbildungsstätte ihren Unterricht
hauptsächlich an den offiziellen Lehrplänen
der Regierung orientierte, „obwohl alle
Fächer, die nichts mit peruanischer Geschichte
oder Geographie, katholischer Religion oder der
spanischen oder englischen Sprache zu tun hatten,
auf deutsch von speziell aus Europa vermittelten
Lehrern unterrichtet wurden.“ Eine weitere
erwähnenswerte Besonderheit war der gemeinsame
Unterricht von Jungen und Mädchen, was die
Deutsche Schule zu einer Vorkämpferin für
die Koedukation machte. Man versuchte, die Pflichterfüllung
durch strikte disziplinarische Regeln zu gewährleisten
und den Stärken der Schüler eine entsprechende
Richtung zu geben. |
| |
| Die wenigen
Überlebenden aus dieser Zeit erinnern sich
noch an die Aktivitäten der Pfandfindergruppe,
die von Lehrer Karl Maisch organisiert wurden
– u.a. an die Paraden bei öffentlichen
Veranstaltungen und die Ausflüge zu interessanten
Orten in der Umgebung von Lima. Der nächste
Sitz dieser Ausbildungsstätte, wohin man
1917 umzog, war viel geräumiger: ein prachtvolles
einstöckiges Herrenhaus aus der Vizekönigszeit
mit goldgerahmten Spiegeln und drei Zierhöfen.
Dieses Haus steht heute noch in der Straße
Botica de San Pedro im vierten Straßenblock
des Jiron Miro Quesada. Die Situation, die die
Schule damals durchlebte, wird in den Memoiren
„Bajo el Jazmin“ (1997) von Botschafter
Alberto Wagner de Reyna unverblümt beschrieben:
„Diese Einrichtung mit gutem pädagogischen
Ruf, aber ohne großes gesellschaftliches
Ansehen befand sich in einem alten, riesigen Herrenhaus
in der Straße Botica de San Pedro ...“ |
| |
| In der US-freundlichen
Regierungszeit des Präsidenten Augusto B.
Leguia stand die Deutsche Schule aufgrund der
neuen Vorschriften des Erziehungsministeriums
bezüglich der Lehrpläne vor einer schwierigen
Situation. Im Jahre 1922 wurde vorübergehend
der Unterricht der deutschen Sprache als Fremdsprache
– oder besser gesagt als Hauptsprache –
an dieser Ausbildungsstätte verboten. Erst
nach langwierigen Bemühungen seitens des
damaligen Schulleiters Richard Westermann wurde
eine Sonderregelung erwirkt, die es der Schule
erlaubte, mit ihrem ursprünglichen Lehrplan
fortzufahren. |
| |
| Es war von
Anfang an klar, dass die deutsche Kolonie in Lima
nicht groß genug war, um den Eintritt in
die Schule ausschließlich auf diese zu beschränken,
und die peruanischen Familien waren in immer stärkerem
Maße bereit, ihre Kinder auf die Deutsche
Schule zu schicken. |
| |
| Im Jahre
1920 waren 73,7% der Schüler Kinder aus peruanischen
Familien. Unter diesen Gegebenheiten zogen die
Sekundarklassen im Jahre 1924 in ein speziell
für die Deutsche Schule im fünften Straßenblock
der Avenida Bolivia gebautes Gebäude ein,
ganz in der Nähe der staatlichen Schule Nuestra
Senora der Guadalupe. Zur selben Zeit zog die
Unterstufe in einen Teil des repräsentativeren
Deutschen Hauses an der von den Straßen
Bolivar und Reducto gebildeten Ecke in Miraflores. |
| |
| Obwohl sich
das Ansehen der Institution festigte, beschloss
die Schulleitung im Jahre 1932, die Räume
an der Avenida Bolivia aufzugeben und alle Aktivitäten
auf den Bezirk Miraflores zu konzentrieren, und
zwar im bereits erwähnten Gebäude. Lehrer
Arthur Loth, der seit 1935 die Schule leitete,
hatte den Auftrag, den Unterricht nach den Prinzipien
des nationalsozialistischen Regimes, das zu dieser
Zeit in Deutschland herrschte, zu ideologisieren.
Folgerichtig verringerte sich die Schülerzahl
– auch wegen des Beschlusses, sich nicht
den Programmen des peruanischen Erziehungsministeriums
zu unterwerfen und keine offiziellen Zeugnisse
auszustellen. |
| |
| Nach dem
Beginn des Zweiten Weltkriegs und der Kriegserklärung
von Peru an Deutschland wurde die Deutsche Schule
im Jahre 1942 geschlossen; gleichzeitig erfolgte
die zwangsweise Ausweisung aller Staatsangehörigen
des Reiches. Aufgrund dieser Tatsache wurde das
Gebäude in der Straße Bolivar in Miraflores
beschlagnahmt. Trotz dieser traurigen Umstände
konnten Schüler von über 20 Abschlussklassen
sich mit Stolz an die Lehrer erinnern, die für
ihre ausgezeichnete Ausbildung verantwortlich
waren. Denn in den verschiedenen Gebäuden
der Schule haben Persönlichkeiten unterrichtet
wie August Weberbauer, Biologie- und Geographielehrer,
Raul Porras Barrenechea und Jorge Guillermo Leguia,
Geschichtslehrer, Luis Alberto Sánchez
und Estuardo Núñez, Literaturlehrer,
Karl Weiss, Musiklehrer und Leiter der staatlichen
Schule San Jose in Chiclayo, an den man sich gern
erinnert, und der Spanier Emilio Huidobro, unvergessen
wegen seines originellen Sprachunterrichts. |
| |
| |
Die Geburt der Schule „Alexander
von Humboldt“
|
| |
| Um die Tore
der geschlossenen Ausbildungsstätte erneut
zu öffnen – wenn auch unter einem neuen
Namen – wurde im Jahre 1951 eine Sonderkommission
gebildet, an der der Dozent Luis Felipe Alarco,
der Konsul Gustav von Bischofshausen und der Geschäftsmann
Friedrich G. Moll teilnahmen. Dank ihrer gemeinsamen
Bemühungen und ihrer materiellen. Unterstützung
wurde genau vor fünfzig Jahren im April 1952
die Deutsch – Peruanische Schule Alexander
von Humboldt eingeweiht: Unter der symbolischen
Schirmherrschaft dieses bemerkenswerten Wissenschaftlers
und Reisenden begann ein neuer und nachhaltiger
Abschnitt deutscher Bildungsarbeit in unserem
Lande. |
| |
| Um dieser
Ausbildungsstätte, die ihren Betrieb in einem
kleinen angemieteten Gebäude im fünften
Straßenblock der Av. Larco in Miraflores
mit ca. 60 Schülern aufnahm, Leben zu geben,
dachte man daran, die deutsche Kultur und Sprache
unter Kindern unterschiedlicher Herkunft zu fördern;
die neue Schule sollte die Merkmale einer Begegnungsschule
haben. Und um die schlechten Erfahrungen der Vergangenheit
nicht zu wiederholen, ging man von der Notwendigkeit
aus, offizielle Zeugnisse und die Anerkennung
des peruanischen Staates zu erlangen, indem man
sowohl die nationalen als auch die deutschen Lehrpläne
beachtete. |
| |
| Die damaligen
Lehrer und Schüler erinnern sich an den Lehrer
Egon Lüdecke, den ersten Schulleiter der
Humboldtschule (1952 – 1956), als einen
unkomplizierten, offenen und echten Pädagogen
– rau und gleichzeitig sehr menschlich.
Diese Persönlichkeit fühlte eine große
Verbundenheit zu Peru und sagte in freundschaftlich
gehaltenen Vorträgen, dass er gerne „eine
Mischung aus dem deutschen Verstand und dem peruanischen
Herzen“ machen würde. In ihren Erinnerungen
schreibt die damalige stellvertretende Schulleiterin
Beatriz Benoit de Velazco, dass bald zahlreiche
Anträge von Eltern zur Einschreibung ihrer
Kinder eintrafen - aber in Wirklichkeit handelte
es sich bei vielen um besonders schwierige Kinder,
so dass sich eine ziemlich bunte Schülerschaft
bildete mit nicht wenigen „aussichtslosen
Fällen“ aus der Sicht von Eltern, die
die strenge deutsche Disziplin als eine Art letzten
Rettungsring ansahen. |
| |
| Ab 1956 kamen
nach und nach die ersten von der Bundesregierung
entsandten Lehrer, die die Grundlage für
eine solide und kontinuierliche Vermittlung deutscher
Kultur schufen. Ungeachtet ihrer Herkunft hatten
alle Schüler dieser Schule die Möglichkeit,
den wesentlichen Kern der deutschsprachigen Kultur
kennen zu lernen – auf musikalischem Gebiet
beispielsweise Beethoven, Schubert und Brahms,
in literarischer Hinsicht unter anderen. Goethe,
Schiller und Heine. Mit Hilfe eines Prozesses
konnte glücklicherweise die Rückgabe
des Deutschen Hauses im vierten Straßenblock
der Straße Bolivar erreicht werden, und
hier fand dann auch der Schulbetrieb der Humboldtschule
ab dem Schuljahr 1955 statt. |
| |
| Da die Einrichtungen
langsam zu eng wurden, fanden Verhandlungen zum
Kauf eines 28.000 m2 großen Grundstücks
im Grenzgebiet zwischen Miraflores und Surco,
am 30. Straßenblock der Av. Benavides, statt.
Dank der Unterstützung durch die Bundesregierung
konnte dieses Ziel auch verwirklicht werden. An
der Grundsteinlegung für das neue Gebäude
nahm am 6. Juli 1958 auch der Präsident des
Deutschen Bundestages, Dr. Eugen Gerstenmaier,
teil. Bereits im April 1960 konnte der Unterricht
im neuen Gebäude an der Av. Benavides beginnen,
einem Wahrzeichen für funktionelle und moderne
Architektur, in dem wir uns jetzt gerade befinde. |
| |
 |
| Entwicklung der Schule und persönliche
Erinnerungen |
|
Ab 1965 genoss
die Schule den Status eines „colegio experimental“
mit besonderen Privilegien bezüglich des
Lehrplans und des Benotungssystems. Fünf
Jahre später, bereits unter der revolutionären
Militärregierung, wurde ein 10.000 m2 großes
Grundstück gekauft, das zum angrenzenden
Landgut Higuereta gehörte, um die Infrastruktur
zu vergrößern. Aufgrund der von General
Juan Velasco Alvarado initiierten Bildungsreform
wurde die Schule bzw. das private Bildungszentrum
Alexander von Humboldt umstrukturiert. Die Schule
wurde nun auch von Stipendiaten aus staatlichen
Schulen besucht, was zu einer Erweiterung führte.
Die Erinnerungen an diese Phase, die ich zusammen
mit meinen Mitschülern erlebt habe, vermischen
sich nun mit den Aufzeichnungen, die ich als Forscher
gemacht habe. |
|
Während
wir die Grundstufenklassen besuchten, mussten
wir eine Reihe von Lehrplanänderungen über
uns ergehen lassen und die stahlgraue Einheitsuniform
tragen. Ohne dass wir jemals diesbezüglich
gefragt wurden, waren wir eine Art Versuchskaninchen
für das Reformprogramm jener Zeit. Aber wir
hatten auch angenehme und erbauliche Momente in
unserer Schulzeit, denn wie könnten wir uns
nicht voller Sympathie und Respekt an das tägliche
Aufstellen im Hof pünktlich um 7.40 Uhr erinnern,
um den patriotischen und moralischen Ansprachen
des peruanischen Schulleiters, Herrn Alberto Malaga,
zuzuhören? Wie könnten wir nicht dankbar
einige unserer Lieblingslehrer erwähnen?
Beispielsweise Fau Walter, Herr Bleyh, Herr Lachenmaier,
Herr Hüglin und Herr Mamsch unter den Deutschen;
Lucy Ruiz, Rosario Medrano, Cecilia Swayne und
Rosa María de los Heros unter den Peruanern.
Unsere Erinnerungen haften auch an einigen typischen
„humboldtianischen“ Elementen oder
Symbolen: Da ist z.B. die Disziplin und die Strenge
bei den Hausaufgaben, die mit dem Aufgabenheft
und dem erbarmungslosen Klassenbuch kontrolliert
wurden, die erhabene Sonnenuhr im Ehrenhof, der
alte Basketballplatz und die Laufbahn, die beide
später beim Bau der Higuereta – Unterführung
gekürzt wurden ... |
|
Beginnend
mit dem Jahr 1976 wurden die beiden letzten Sekundarschuljahre
beruflich ausgerichtet. So entstand die ESEP,
die den Namen Ernst Wilhelm Middendorff trug,
mit den Ausbildungszweigen Kunst, moderne Sprachen,
internationaler Handel, Naturwissenschaften und
Labortechniken, unter denen die Schüler den
Schwerpunkt ihrer Ausbildung aussuchen konnten.
Obwohl es sich um eine zeitgemäße und
ehrenwerte Initiative handelte, wurde die ESEP
schließlich wieder abgeschafft und die offizielle
Genehmigung zur Abnahme des deutschen Abiturs
ab 1982 wieder erlangt. In gewisser Weise hat
das ESEP – Experiment jedoch eine glückliche
Nachfolge gefunden, und zwar in Gestalt der heutigen
Berufsschule Alexander von Humboldt, die in zwei
Jahren junge Menschen zu Büroassistenten,
Groß- und Außenhandelskaufleuten und
Industriekaufleuten ausbildet. |
|
Es besteht
kein Zweifel daran, dass die deutsch – peruanische
Schule Alexander von Humboldt ständig ihre
Bereitschaft und Fähigkeit unter Beweis stellt,
ein eigenes Ausbildungsprofil zu entwickeln und
dieses ständig verbessern zu wollen. Diese
Ausbildungsstätte, die z.Zt. in allen ihren
Zweigen 1.548 Schüler hat, ist eine der größten
Schulen, die die Bundesrepublik Deutschland im
Ausland fördert. Der bereits erwähnte
Historiker Jorge Basadre, einer der hervorragendsten
Schüler der alten Deutschen Schule, traf
folgende zutreffende Feststellung: „Jetzt,
mit dem Namen von Alexander von Humboldt, ist
sie eine der besten Ausbildungsstätten Perus,
und zwar nicht nur wegen ihrer Organisation, ihres
didaktischen Materials, ihrer Lehrer und anderer
Faktoren, sondern auch wegen ihres architektonischen
Komplexes ...“ |
|
Die Elternschaft
unserer Schüler besteht, wie Sie wissen,
hauptsächlich aus drei Gesellschaftsgruppen:
aus Peruanern deutscher Abstammung, die ihre kulturelle
Bindung zu ihren Vorfahren aufrecht erhalten möchten,
aus deutschen Experten, die im Allgemeinen nur
für eine kurze Zeit nach Peru entsandt werden,
und aus peruanischen Eltern ohne Verbindung bzw.
direkte Beziehung zu Deutschland. Es ist Teil
der schwierigen Aufgabe des Schulvereins, die
Motivationen und Erwartungen dieser Gruppen, die
in der Schule zusammen kommen, zu leiten und zufrieden
zu stellen. Die große Anzahl von Vorträgen,
künstlerischen und sportlichen Aktivitäten,
die von der Institution veranstaltet werden, hat
im Laufe der Jahrzehnte ihren Charakter als Begegnungsschule
und Vermittlerin deutscher Kultur in Peru gestärkt.
Zu erwähnen wäre auch noch, dass die
Schule seit 1990 die Bibliothek des bekannten
verstorbenen Geologen Georg Petersen (1898 –
1985) und des Historikers Eugenio Alarco (...)
besitzt. |
|
Der historische
Überblick wäre jedoch nicht vollständig,
wenn wir unsere Aufmerksamkeit nicht auch auf
die Personen richten würden, denen fünf
Jahrzehnte lang die anstrengende pädagogische
Leitung oblag, die nie problemlos war. Nach dem
Abschied von Egon Lüdecke war die Leitung
der Humboldtschule folgenden deutschen Lehrern
anvertraut: Werner Golde (1957 – 1963),
Jürgen Baumgart (1964 – 1969), Josef
Krauthausen (1969 – 1975), Wilfried Wehmeier
(1975 – 1979), Friedrich Niebling (1980
– 1984), Willi Beck (1985 – 1992)
und Dr. Gerd Erich Zimmek (1993 – 2000).
Auf peruanischer Seite lag die Verantwortung in
den Händen von Alberto Málaga Muñoz
(1975 – 1982), Guillermo Sánchez
Moreno (1983 – 1984) und Carlos M. Vignale
Zegarra (1985 – 2001). |
|
Zur Zeit,
zu Beginn des neuen Jahrtausends, wird unsere
Schule von Herrn Dr. Anton Willkomm geleitet,
wobei ihm Frau Gizela Landa als peruanische Abteilungsleiterin
zur Seite steht. Gemäß statistischer
Daten vom April 2002 beträgt die Gesamtzahl
der Schüler aus dem Kindergarten, der Grund-,
Mittel- und Oberstufe, den zum Abitur führenden
12. und 13. Klassen und der Berufsschule 1.540.
Jungen und Mädchen sind gleich stark vertreten;
69,3% der Schüler haben die peruanische Staatsangehörigkeit. |
|
 |
Nachwort: Ein Blick auf die
Vergangenheit und die Zukunft
|
|
| Mit
bemerkenswerter Großzügigkeit bestreitet
die Bundesrepublik Deutschland auch nach einem
halben Jahrhundert weiterhin einen großen
Teil sowohl der Personal- als auch der Materialkosten,
die für den Betrieb der Humboldtschule unumgänglich
sind. Ihre Existenz als eine Stätte kultureller
Begegnung und Vermittlung stellt ein echtes Privileg
für unser Land dar. In den vergangenen 50
Jahren hat unsere Schule verschiedene Generationen
peruanischer und deutscher Schüler sowie
Schüler anderer Nationalitäten meist
erfolgreich ausgebildet; sie hat eine ausgezeichnete
Rolle bei den Bemühungen gespielt, das Bildungswesen
in Peru zu reformieren. Wir hoffen von Herzen
auf eine Fortführung dieser positiven Bilanz
in der Zukunft, um die bilateralen deutsch –
peruanischen Beziehungen weiter zu stärken
und um ihren berühmten Schutzpatron, den
Baron von Humboldt, zu ehren. |
|
Wenn wir die
Teile des spanischen Amerikas betrachten, die
Alexander von Humboldt bereiste, so sehen wir,
dass er überall ein tiefes und dauerhaftes
Vermächtnis hinterlassen hat. Der Reisende
respektierte immer die Identität und kulturelle
Autonomie der eingeborenen Bevölkerung, forschte
nach ihrem Ursprung, ihren Gebräuchen und
ihrem Geistesleben. Andererseits ist es eine Tatsache,
dass die Reise Humboldts auf dem europäischen
Kontinent große Aufmerksamkeit erregte:
Dank seiner ethnischen Studien, seiner kartographischen
und naturwissenschaftlich orientierten Zeichnungen
bekam man Zugang zu dem vielfältigen Reichtum,
den Amerika, einer der interessantesten und damals
am wenigsten bekannten Teile dieser Erde, barg.
Deshalb sahen die Menschen damals den preußischen
Naturforscher als „den zweiten Entdecker“
der Neuen Welt an, der die Neugierde für
eine kurz vor ihrer politischen Emanzipation stehenden
Hemisphäre erweckte. |
|
Beeinflusst
vom Zeitgeist der Aufklärung, ein vielseitiger
Denker und Forscher auf fast allen Gebieten, verteidigte
der Baron ständig die Unabhängigkeit
seiner Ideen und seiner Forschungsarbeit. Er war
der Meinung, dass das Wissen allen Menschen zur
Verfügung stehen und zur Verbesserung ihrer
Lebensbedingungen beitragen sollte. Aus demselben
Grunde war er darauf bedacht, dass seine Entdeckungen,
Reiseeindrücke und Arbeitsergebnisse möglichst
breite Veröffentlichung fanden. „Mit
der Macht der Intelligenz wäre es möglich,
die weite Erdkugel zu entdecken“ (Prolog
im Cosmos, Band I, 1845) – das sind Worte
von Alexander von Humboldt. Anlässlich des
zweihundertjährigen Jubiläums seines
Besuches in Peru sollten natürlich hauptsächlich
die vorbildlichen Tugenden Humboldts als Forscher,
Schriftsteller und Mensch, der seine Welt versteht,
bekannt gemacht werden – nicht umsonst gilt
er schließlich als der letzte Universalgelehrte
zu Beginn der Neuzeit. |
|
Teodoro
Hampe Martínez |
|
|
|
|
|
|
|