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| Alexander
von Humboldt und Peru |
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Humboldt
und seine peruanischen Erfahrungen |
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Humboldt und Lima |
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Lima mit den Augen von Humboldt |
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| Alexander
von Humboldt und Peru |
Eduardo Orrego Acuña: Alexander
von Humboldt und Peru. In: La Casa de
Cartón, II Época Nr. 12,
1997.
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Humboldt und seine
peruanischen Erfahrungen
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Ab dem
2. August 1802, als er seinen Einzug in
unser Gebiet bei Lucarque und Ayabaca,
Provinz Loja, hielt bis zum 24. Dezember
desselben Jahres, als er sich im Hafen
von Callao auf der Korvette La Castor
in Richtung Guayaquil und Acapulco einschiffte,
hat Humboldt nicht nur die naturwissenschaftlichen
und geographischen Merkmale von Peru aufgezeichnet,
sondern sich auch intensiv mit historischen,
politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Aspekten befasst, wobei er mit seinen
Schilderungen ein detailliertes Bild vom
Leben in Peru hinterließ (siehe
Vegas Vélez, 1991, S. 16-17; Minguet,
1969, S. 170-175). Erstaunlich ist die
Genauigkeit, mit der Humboldt seine Studien
betrieb, umso mehr wenn man berücksichtigt,
dass die Reise nach Peru eigentlich mehr
Schicksal als Absicht war. Humboldt erzählt
in seinem Buch „Vom Orinoko zum
Amazonas. Reise in die Äquinoktial-Gegenden
des neuen Kontinents“, dass der
Grund seiner Reise nach Peru und speziell
nach Lima ein doppelter war. Erstens um
sich einer vom französischen Kapitän
Nicolas Baudin geleiteten Umsegelungsexpedition
anzuschließen, die im Jahre 1800
in der Südsee Entdeckungen wie Neuholland,
Neusüdwales (jetzt Australien) gemacht
hatte und die diesmal plante erneut von
Frankreich aus zu den Pazifik–Inseln
zu segeln, sobald die Regierung der Französischen
Republik die notwendigen Mittel zur Verfügung
stellte (siehe Humboldt, 1958, S. 411;
Vegas Vélez, 1991, S. 61 Fußnote).
Humboldt erfuhr in La Havanna, dass die
Korvetten Le Géographe und Le Naturaliste
unter dem Kommando von Baudin um das Kap
Hoorn segeln würden und gegen 1802
am Hafen von Callao vorbeikämen (siehe
Humboldt, 1958, S. 411). Er beschloss
deshalb, sich anstatt nach Mexiko und
den Philippinen Südamerika und Peru
zuzuwenden. Die Expedition von Baudin
änderte jedoch ihre Richtung, als
Humboldt sich bereits auf dem Weg nach
Lima befand. |
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Humboldt,
den wie viele Nordeuropäer die fernen
und exotischen Orte faszinierten, träumte
davon, von Lima aus auch die polynesischen
Inseln im Pazifik zu erreichen. „Die
Idee die Südsee (den Pazifischen
Ozean) zu sehen hatte etwas Feierliches
für jemanden, der einen Teil seiner
Bildung und seines Geschmackes und Neigungen
der engen Beziehung zu einem der Begleiter
von Kapitän Cook (Jorge Forster)
verdankte. Meine Reisepläne kannte
Jorge Forster schon seit langem...“
(Humboldt, 1958, S. 411; James Cook (1728-1779):
englischer Seefahrer, Entdecker von Neuseeland;
Jorge Forster (1754-1798): Humboldts Freund,
Reisender, Revolutionär, deutscher
Naturforscher). |
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Trotz
allem was passierte, gab es einen zweiten
Grund, der Humboldt nach Lima brachte:
Am 9. November 1802 sollte in Callao der
Merkur an der Sonnenscheibe vorbeiziehen,
ein Ereignis, das eine bessere Längengradfestlegung
von Callao und des südwestlichen
Teils des Neuen Kontinents ermöglichen
würde. (Siehe Humboldt, 1958, S.
411; Raymondi, 1879, Band 3, S. 17). |
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Zweifellos
tauchten neue Anreize auf, je weiter von
Humboldt in dem Gebirge der Anden von
Quito nach Peru vordrang. Nicht nur, dass
er das erste Mal den Pazifischen Ozean
sah, von dem er geträumt hatte, nachdem
er Schilderungen gelesen hatte, wie z.
B. die von Vasco Núñez de
Balboa, er stellte auch Studien über
die Quellen des Marañón
(der damals als Amazonas angesehen wurde),
die Anden, die Flora, Fauna und Spuren
aus der vorspanischen Zeit an, um nur
einiges zu nennen (siehe Botting, 1981,
S. 143; Vegas Vélez, 1991, S. 13-18). |
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Sehr
vielseitig war seine Persönlichkeit,
immer aufmerksam für das, was die
Natur ihm bot: |
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Botanische
Beschreibungen über den Chinarindenbaum
und seine Eigenschaften, Mimosen, Korallensträucher,
Bougainvillen, Zitronen- und Apfelsinenbäume,
Papaya, Chirimoya, die Früchte des
Vejuco de la Peca. |
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Studien über
die Fauna: die schwarzen Drosseln, die
Trupiale. Besichtigungen der Inkaruinen
in Chulucanas und der Tambos in der Nähe
von Pomahuaca. |
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Legendäre Geschichten
über einen angeblichen Mann im Urwald
in der Nähe von Tomependa und dem
Marañón (siehe Vegas Vélez,
1991, S. 14-41; Minguet, 1969, S. 170-173;
Núñez, 1971, S. 197). |
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Aufzeichnungen über
die Baumwoll- und Zuckergewinnung auf
dem Weg nach Chachapoyas. |
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Studien über
die Silbergewinnung in den Bergwerken
von Hualgayoc und Feststellung der niedrigen
Ergiebigkeit. |
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Gespräche in Cajamarca mit Nachkommen
von Atahualpa (der Familie Astorpilco). |
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Ausflug in das Chicama-Tal
und auf dem Virú-Fluss in der Nähe
von Trujillo, wo die Spanier zu Beginn
ihrer Entdeckung die Indios, wenn sie
sich auf den Fluss bezogen, „Pelu“
sagen hörten und annahmen, dass es
sich um den Namen dieses Landes handele. |
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Besuch der Ruinen
von Chan Chan und des Señor del
Gran Chimbo (vergleiche Vegas Vélez,
1991, S. 47-75, über den Ursprung
des Namens Peru, ibidem, S. 68; siehe
Minguet, 1969, S. 173-175; über die
Bergwerke Hualgayoc siehe Faak, 1982,
S. 302). |
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| Diese
Aktivitäten setzten sich fort bis
zu Humboldts Ankunft in Lima, dem zentralen
Punkt seines Aufenthaltes in unserem Lande.
Es wurde gesagt, dass Humboldt die Neue
Welt neu erobert hat und er tut dies Dank
seiner wissenschaftlichen Annäherung
an die verschiedenen Realitäten.
Aber abgesehen vom dem Forscher, der sehr
zutreffend das Klima von Peru studierte
und feststellte, dass die Kälte an
der Küste nicht von den Anden kommt,
sondern von der kalten Meeresströmung
an der Küste (eine Strömung,
die seinen Namen trägt) - Vegas Vélez,
1991, S. 90 -, erkennen wir in Humboldt
den Humanisten, den Ideenträger der
Aufklärung und den Zeugen der bedeutendsten
Ereignisse, die Ende des 18. Jahrhunderts
in Europa stattfanden: u.a. die Französische
Revolution. Humboldt feiert die anfänglichen
Erfolge dieser großen Idee, die
Deklaration der Menschenrechte von 1789
(Minguet, 1969, S. 22, 29 und 78). Mit
diesen Ideen begibt er sich auf seine
Reise ins spanische Amerika, das sich
in den letzten Jahren der Kolonialherrschaft
befindet, kurz vor dem Prozess der Lostrennung
vom spanischen Mutterland (Faak, 1982). |
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| Obwohl
Humboldt dem Ministerpräsidenten
Mariano de Urquijo und dem König
von Spanien Karl IV dankbar ist, weil
sie ihm den Zugang zu den spanischen Kolonien
von Amerika ermöglichen, indem sie
ihm eine Genehmigung ausstellten (Botting,
1981, S. 54 und 56; Humboldt, 1811, Band
1, Widmung an den König von Spanien),
hindert ihn dies nicht in seinem Tagebuch
seine Abneigung gegen die Kolonial-Regime
zum Ausdruck zu bringen: „Jede Kolonialregierung
ist eine Misstrauensregierung. Hier wird
die Autorität nicht so verteilt,
wie es das öffentliche Wohl der Bevölkerung
verlangt, sondern nach dem Argwohn, dass
diese Autorität sich zu sehr an das
Kolonialgut binden könnte und so
gefährlich für die Interessen
der Metropole werden könnten“
(Faak, 1982, S. 63). |
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| Als
Humboldt ins spanische Amerika kommt,
haben sich bereits einige Konspirationen
und Erhebungen gegen das Kolonialregime
ergeben. Hervorzuheben sind die Sklavenbewegungen
in Coro, Venezuela (1795), die Konspiration
der Kreolen mit jakobinischen Ideen von
Manuel Gual und José España
auch in Venezuela (1797), Unruhen in Neugranada
im Jahre 1781, Intrigen, in denen sich
Antonio Nariño verwickelte, die
Erhebung von Túpac Amaru, die zwischen
1780 und 1781 geschah, ohne die Geheimarbeiten
eines gewissen Francisco de Miranda zu
vergessen, der 1790 seine Verhandlungen
mit den Engländern begann, um im
Namen der Unabhängigkeit Amerikas
Unterstützung zu bekommen, oder eines
gewissen Juan Pablo Vizcardo y Guzmán,
der seinen berühmten Brief an die
amerikanischen Spanier im Exil aufsetzt
(siehe über Venezuela Minguet, 1969,
S. 252; über Neugranada, Beck, 1959,
Band 1, S. 187-188; über Túpac
Amaru, Faak, 1982, S. 316-137; ferner
siehe Botting, 1981, S. 82). |
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| Unter
all diesen Kundgebungen fand Humboldt
besonderes Interesse an der Erhebung von
Túpac Amaru. In Lima erkundigte
er sich ausgiebig über diese Erhebung,
wobei er sich der Unterlagen der Regierung
bediente und auf die Comentarios Reales
von Garcilaso de la Vega, dem Inka, zurückgriff,
um gewisse Geschichtsphasen des Vizekönigreiches
zu ergründen. Eine kritische Analyse
der Gründe der Bewegung von Túpac
Amaru brachte ihn zu der Einsicht, dass
dieser Führer vor allem aus persönlichen
Gründen kämpfte, wie z. B. um
das Markgrafschaftsrecht von Oropesa als
direkter Abkömmling des letzten Inkas
von Vilcabamba (Túpac Amaro I)
zu erlangen. Er merkte ferner an, dass
die despotischen Bestrebungen des Kaziken
recht eindeutig waren (Faak, 1982, S.
316-317). |
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| Humboldt
war noch kritischer, als er in seinen
Schreiben späteren Datums erklärte,
dass die Bewegung Túpac Amaru keine
konsistente Ideologie habe: „So
seltsam dies auch scheinen mag, ihre Gründe
waren in keiner Weise mit den Bewegungen
verbunden, die in den englischen Kolonien
aufgrund des Zivilisierungsprozesses und
des Wunsches nach einer freien Regierung
aufkamen. Isoliert vom Rest der Welt,
mit keinem anderen Handel als den mit
den Häfen der Metro pole, nahmen
Peru und Mexiko nicht an den Ideen teil,
die die Bevölkerung von Neu-England
bewegten“ (Humboldt, 1811, Band
2, S. 817). |
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| Über
den eigenen etwas harten und kategorischen
Stil von Humboldt hinaus, wenn er politische
und soziale Angelegenheiten beurteilte,
geben wir die Meinung von Antonio Raymondi
- dem italienischen Reisenden, der 1850
nach Peru kam -, die er über den
deutschen Wissenschafter in seinem Werk
Peru kundgibt: |
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| „Dieser
berühmte Naturforscher besaß
ein großes Talent für die beobachtenden
Wissenschaften, ein gesundes Kriterium
und eine ausgesprochene Tendenz zu spekulativen
Wissenschaften: ein harmonisches Zusammentreffen,
das nur den privilegiertesten intelligenten
Menschen eigen ist. Zu diesen begnadeten
persönlichen Begabungen kam dann
noch der mächtige Schutz der Monarchen
und das Glück eine neue Welt im wahrsten
Sinne des Wortes als Arbeitsfeld zu haben“
(Raymondi, 1879, Band 3, S. 15). |
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| Raymondi
liefert uns ferner eine kurze Zusammenfassung
des Aufenthaltes von Humboldt in Peru
und unterstreicht seine geografischen
Arbeiten und Abgrenzungen, die Humboldt
von den Grenzen des damaligen Vizekönigreiches
machte (Ibidem, Band 3, S. 14-20). |
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| Ziemlich
aufschlussreich erscheinen uns dann die
folgenden Aussagen des italienischen Gelehrten:
„Schade für Peru, dass Humboldt
sich nur wenige Monate der Studie dieses
bevorzugten Landes widmen konnte, und
nicht diese leuchtenden Spuren seines
Besuches hinterließ wie an anderen
Orten Amerikas (...). Denn dieser berühmte
Gelehrte besuchte nur einen Teil des Nordens
und die Küste zwischen Ica und Trujillo.
Deshalb hat Humboldt, obwohl er viel geschrieben
hat, seinen Reisen in Peru kein spezielles
Werk gewidmet, sondern alle seine Daten
über dieses Land sind in den zahlreichen
Veröffentlichungen verteilt, die
er über verschiedene Gebiete machte...
Bezüglich seiner Reise durch den
Norden gibt es eine interessante Denkschrift
unter dem Namen: Le Plateau de Cajamarca“
(Ibidem, Band 3, S. 15). |
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| Den
Platz, den Humboldt Peru auf seiner Amerika-Reise
einräumte und die Zeit, die er ihm
widmete, haben natürlich Einfluss
auf die Wirkung gehabt, die seine Persönlichkeit
in unserer Geschichte gehabt hat. In diesem
Sinne macht der Historiker Ruben Vargas
Ugarte eine sehr interessante Feststellung:
„So wie der geniale Humboldt den
Mexikanern erklärte, was sie waren
und was das Neue Spanien sein könnte,
so erhielten wir eine ähnliche Lektion
durch die französische Expedition
von Godin und La Condamine, an der die
spanischen Seefahrer Jorge Juan und Antonio
Ulloa teilnahmen und später durch
die Expeditionen von Ruiz und Pavón,
de Malaspina und der Metallurgen unter
der Leitung von Baron von Nordenflycht“
(Vargas Ugarte, 1966, Band 5, Seite 213;
Charles Marie de la Condamine (1701-1774)
französischer Naturwissenschaftler,
der um 1735 mit dem Astronomen Bouger
nach Peru kam, um den Meridiankreis zu
messen; H. Ruiz und J. Pavón, spanische
Gelehrte, besuchten zwischen 1778-1788
Peru; Malaspina, Kapitän der spanischen
Kriegsmarine, kam mit Tadeo Haenke gegen
1789 nach Peru; Timoteo von Nordenflycht
aus Schweden kam 1789 mit einer deutschen
Bergbau-Expedition nach Peru). |
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| Wie
auch immer Humboldt hatte seine viereinhalb
Monate in Peru intensiv gelebt und trotz
der kurzen Zeit, hinterließ er uns
ein großes Vermächtnis, um
ihn nicht zu vergessen und uns jedes Mal
an ihn zu erinnern, wenn wir unser weites
Meer betrachten. |
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| Nicht
ganz unbekannt ist die Kritik, die von
Humboldt im Jahre 1803 in dem in Guayaquil
an seinen Freund, den Gouverneur von Jaén,
Ignacio Checa, geschriebenen Brief u.a.
an Lima und seiner traurigen politischen
und wirtschaftlichen Situation und deren
geringe Nationalbewusstsein der Bewohner
von Lima übte (siehe hierzu den Text
des Briefes unter Vegas Vélez,
1991, S. 86 und 87). Ohne ein Blatt vor
den Mund zu nehmen und mit ziemlicher
Schärfe drückt sich Humboldt
über die Hauptstadt des Vizekönigreiches
Perus aus, nachdem er seinen Aufenthalt
in unserem Lande beendet hatte. Aber was
hat ihn zu dieser Schlussfolgerung gebracht?
Was hatte er erwartet in Lima vorzufinden? |
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| Gehen
wir ein wenig seinen Erlebnissen nach.
Humboldt kam von Trujillo, Chimbote und
Casma auf dem Landwege nach Lima. Er verweilte
vom 23. Oktober bis zum 24. Dezember 1802
in der Hauptstadt. Seine Reise war nicht
ohne Unbequemlichkeiten: „Nachdem
wir wegen fehlender Esel in Trujillo hängen
blieben, brachen wir von dort am 7.10.1802
in Sänften auf. Jorge Juan hat dies
gut illustriert. Eine Sänfte kostet
40 Pesos, man verkauft sie in Lima für
20, man bezahlt für die Führung
(2 Esel und ein Sänftenträger)
pro Pferd von Trujillo nach Lima 40 Pesos.
Das gleicht einer Schlafkoje auf einem
schlechten Schiff. Man wird wild hin-
und hergeschüttelt, viele Leute übergeben
sich (ihnen wird übel), das passiert
sogar den Hunden, man kann liegen oder
sitzen, aber keins von beiden ist auszuhalten“
(Vegas Véles, 1991, S. 70). Und
er schreibt ferner: „Was für
ein Unterschied ist doch diese Küste
von Peru ohne Grün, ohne Bäume,
ohne Regen von Ica bis Piura gegenüber
der Küste der Yumbos, Esmeralda,
Guayaquil, wo die Natur in einem warmen
und feuchten Klima eine Pflanzenwelt geschaffen
hat, wo die Vegetation dicht belaubt,
majestätisch ist wie die der Flüsse
östlich der Anden“ (Ibid. S.
71). |
| |
| Der
Weg durch die Küstenwüste hat
Humboldt zweifellos beeindruckt, der vorher
in der üppigen Landschaft an den
Ufern des Marañón oder in
der nördlichen Zone Südamerikas
(die Urwälder des Orinoco) oder in
diesen anderen Andengebieten gewesen war.
Humboldt kam nach Lima mit bestimmten
vorgefassten Ideen, Vorurteilen kann man
sagen: „In Europa malt man uns Lima
wie eine Stadt des Luxus, der Pracht,
der schönen Frauen...“ (Núñez,
1971, S. 197). |
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| Er
kam an Chancay vorbei, dann am Ramadal
und kam schließlich bei Nacht über
die Portada de Guía nach Lima,
wie Estuardo Nuñez und Georg Petersen
nachvollzogen haben. In der Hauptstadt
wohnte er neben dem Kloster San Juan de
Dios (in der Nähe der Plaza San Martin),
bevor er am 7. November 1802 nach Callao
umzog, um seine Forschungen am Meeresufer
und das Vorbeiziehen von Merkur an der
Sonnenscheibe beobachten zu können
(siehe Nuñez, 1971, S. 15 und 162;
Raymondi, 1879, Band 3, S. 17). |
| |
| Er
wurde sehr freundschaftlich aufgenommen,
wie der Historiker Minguet (Minguet, 1969,
S. 174) erklärt und wie auch aus
Humboldts Briefen an den Vizekönig
von Neu Granada, Pedro Mendinueta und
an den Gouverneur von Jaén, Jose
Ignacio Checa, hervorgeht (siehe Nuñez,
1971, S. 179 und 198). Humboldt schreibt:
„Der Vizekönig und Regent (Manuel
Antonio de Arredondo), bei denen uns Herr
Mendinueta empfohlen hatte, der Inspektor
Villa, Aguirre, Valcazár, Gainza,
und ich kann sagen, ganz Lima hat uns
mit sehr viel Achtung und Freundschaft
behandelt“ (Ibid. S. 189). |
| |
| Die
Ankunft des deutschen Reisenden geschah
fast ein Jahr, nachdem der Graf Gabriel
de Avilés y del Fierro als neuer
Vizekönig von Peru (1801-1806) für
den Vizekönig Ambrosio de O´Higgins
(1790-1801) in Lima Einzug gehalten hatte.
Avilés hatte eine unstabile Situation
in Lima vorgefunden: Probleme mit den
Staatsfinanzen, Krieg mit England mit
negativen Folgen für den Handel und
die Schifffahrt, wie Ruben Vargas Ugarte
berichtet (Vargas Ugarte, 1966, S. 161-176). |
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|
| Humboldt
stellte verschiedene wissenschaftliche
Forschungen in Lima an, er machte aber
in seinem Tagebuch auch Einträge
über die vorherrschenden Lebensbedingungen
in der Stadt. Er verkehrte mit bekannten
Persönlichkeiten, nahm Einblick in
die Geschichtsbücher, erbat Information
über Geographie, Kartographie und
den peruanischen Bergbau. In diesem Rahmen
sind auch seine Vorschläge zur Berichtigung
der von Tofiño, Malaspina, Churruca,
Fidalgo gezeichneten Karten anzusiedeln
(Faak, 1982, S. 286 + 287), seine Messungen
über die genaue Lage von Lima und
Callao, seine Kontakte zu Baron Timoteo
von Nordenflycht, der 1790 mit einer deutschen
Expedition von Spezialisten in Bergbau
und Amalgamierungsmethoden gekommen war,
und die man gerufen hatte, um den Abbau
von Mineralien zu verbessern (z.B. in
Huancavelica). Nordenflycht war als Generaldirektor
der mineralogischen Kommission tätig.
Sowohl er als auch ein Spezialist für
Amalgamierung, Anton Zacharias Helms,
gaben Humboldt Informationen über
den peruanischen Bergbau in verschiedenen
Gebieten Perus wie Lauricocha und Cerro
de Pasco. Laut dem deutschen Prof. Hanno
Beck erfuhr Humboldt etwas über den
Naturforscher Thadeo Haenke, der 1790
mit der vom italienischen Seefahrer Malaspina
geleiteten Expedition nach Peru gekommen
war. Die Studien von Haenke über
die peruanische Flora, den Bergbau und
die Entwicklung einer Art Geographie der
Pflanzen waren für ihn besonders
sinnvoll. Dies bestätigt die Lektüre
des Werkes des böhmischen Naturwissenschaftlers
(siehe Beck, 1959, Band 1, S. 211 + 212;
Minguet, 1969, S. 174 + 175; Vargas Ugarte,
1966, S. 81-84; Tadeo Haenke: Naturwissenschaftler
und Botaniker, gebürtig aus Böhmen,
Autor eines Werkes mit Beschreibungen
von Peru). |
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| Ferner
widmete unser Reisender seine Zeit der
peruanischen Küste, dem Studium der
Merkmale des Guanos, wie dies auch ausgiebig
Antonio Raymondi tat. Und es sollte schließlich
nicht vergessen werden, dass sich am 9.
November 1802 Humboldts Wunsch erfüllte
und er Merkur an der Sonnenscheibe vorbeiziehen
sah: „(...) ich entdeckte Merkur
als einen kleinen schwarzen Punkt zwischen
vier Sonnenflecken...“ sagte er
(Raymondi, 1879, Band 3, S. 18). |
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| Außer
diesen Arbeiten fehlte natürlich
nicht die Lektüre von Werken wie
Comentarios Reales von Inca Garcilaso,
sicherlich auch Lima fundada von Pedro
de Peralta (1732), Pedro de Oña
und seine Arauco domado, La Araucan von
Ercilla, die Chroniken von Pedro Cieza
de León und Francisco de Gómara
und auch Berichte über die Expedition
von La Condamine, Antonio de Ulloa und
Jorge Juan, letztere sind die Autoren
einer Relación Historica del Viaje
a la América Meridional um 1748
(siehe Nuñez, 1971, S. 16). Besondere
Aufmerksamkeit verdient der Mercurio Peruano
(„Geschichte, Literatur und öffentlichen
Nachrichten“), herausgegeben zwischen
1791 und 1795, nach Cesar Pacheco Vélez:
„(...) die wichtigste Zeitschrift,
die damals in ganz Spanisch-Amerika herausgegeben
wurde (...)“ (Pacheco, 1986, S.
33). Humboldt kannte einen der Fürsprecher
dieser Zeitung (den Priester Diego Cisneros)
und las ausgiebig den Mercurio „(...)
viele Stunden der Widmung (...)“
wie Estuardo Nuñez und G. Petersen
erwähnen. |
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| Er
schickte Unmengen von dieser Zeitschrift
nach Weimar, wo sie z. T. ins Deutsche
übersetzt wurden. Sogar Goethe kannte
diese Übersetzungen (siehe Nuñez,
1971, S. 18). Pacheco Vélez unterstreicht
den fortschrittlichen Charakter, den die
Zeitung hatte und was das bedeutete: „Die
große Öffnung des intellektuellen
Horizontes der Kreolen, das Bewusstsein
ihrer eingeschränkten und abhängigen
Situation und ihr Wunsch zur Autonomie“
(Pacheco, 1986, S. 33) zeigten einen aufkommenden
Nationalgefühl. |
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| In
enger Beziehung zum Mercurio Peruano stand
auch der Mediziner Hipólito Unanue,
einer der Gründer der Sociedad de
Amantes del País, Fürsprecher
der Zeitung. Unanue war von 1791 bis 1795
ein eifriger Mitarbeiter des Mercurios
(er schrieb unter dem Pseudonym „Aristio“),
aber auch Baquijano und Carrillo waren
unter den fortschrittlichen Männern.
Humboldt verkehrte in Lima mit Hipólito
Unanue. Eine enge Beziehung hatte er aber
zu dem Priester Diego Cisneros, von dem
er sagte: „(...) Pater Cisneros
del Escorial fand ich interessant, er
ist ein Mann mit vielen Talenten und einem
selbst unter den europäischen Spaniern
ungewöhnlichen Patriotismus“
(Nuñez, 1971, S. 198). Und schließlich
ist unter den bemerkenswerten Persönlichkeiten,
mit denen Humboldt verkehrt noch der Mathematiker
Santiago de Urquizu zu nennen, der in
der Casa de la Moneda arbeitete und den
Humboldt als „den weisesten und
freundlichsten“ Menschen von Lima
bezeichnete (Ibid., S. 198). |
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Humboldt verkehrte
mit einer kreolischen Elite in Lima, die
für die neuen Ideen von draußen
offen waren. Ganz allgemein jedoch beschränkten
sich seine Freundschaften oder besser
gesagt seine Bekannten auf die Gruppe
der weißer Bevölkerung, die
ihn aufnahm. Diesbezüglich gab es
eine gewisse Distanz zu den anderen Gruppen
der Bevölkerung (siehe Minguet, 1969).
Nach allem was gesagt wird, handelte es
sich um eine unermüdliche Persönlichkeit.
Es können noch weitere Punkte hinzugefügt
werden, die in keiner Weise die Aktivitäten
seiner Persönlichkeit erschöpfen,
seine Analyse des Verhaltens der Leute
in Lima („die Damen der Stadt fuhren
in schönen Kutschen spazieren“),
der Architektur (das Kloster San Francisco,
der Paseo de Aguas, der Palast Torre Tagle,
das Schloss Real Felipe in Callao) oder
die Zeit, die er sich nahm, um seine Pflanzensammlung
für den Transport nach Europa fertig
zu machen (siehe Vegas Vélez, 1991,
S. 77-82, Botting, 1981, S. 143). |
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Vielseitiger
Humanist und gleichzeitig ins Detail gehend
hinterließ er uns seine Reiseeindrücke
nicht in systematischer Reihenfolge, sondern
mit einer gewissen Unordnung, die jemanden
zu eigen ist, der keine seiner Erfahrungen
oder Gefühle vergessen möchte,
und so den Lauf verfolgt, den er Tag für
Tag erlebt. So weit die Aktivitäten
des deutschen Reisenden. Nun folgt dessen
kritische Urteil über die Stadt. |
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Lima mit den Augen
von Humboldt
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Das Lima,
das Humboldt zu Anfang des 19. Jahrhunderts
kennen lernte, hatte den Einfluss verschiedener
neuer Denkrichtungen erfahren und bereits
einige entscheidende Veränderungen
mitgemacht, hauptsächlich während
der Regierungszeit der Vizekönige
Agustin de Jauregui (1780-1784), Teodoro
de Croix (1784-1790), Francisco Gil y
Lemos (1790-1796), Ambrosio de O´Higgins
(1796-1801) und schließlich Gabriel
de Avilés (1801-1806). Im Jahre
1784 unter dem Vizekönig de Croix
machten sich die bourbonischen Reformen
in Peru bemerkbar, z. B. durch die Aufteilung
des Landes in sieben Verwaltungsbezirke.
Man litt noch unter den Auswirkungen des
Aufstands von Túpac Amaru (1780-1781)
und unter der Gründung des Vizekönigreiches
Rio de la Plata (1776). Im Jahre 1792
hat der Vizekönig Gil y Lemos eine
Volkszählung in Lima gemacht, die
auf 52.627 Einwohner kam. Das damalige
Peru zählte 1´076.122 Einwohner.
Es war die Epoche der bereits erwähnten
Expeditionen von Malaspina und Nordenflycht,
Gründungszeitpunkt des Zeitungswesens
von El Mercurio Peruano und Seminario
Crítico. Die Regierung des Vizekönigs
O´Higgins kämpfte gegen die
ständigen Angriffe der englischen
Piraten, wirtschaftliche Probleme und
gegen starke von außen kommende
Ideen revolutionärer Gestalt, vor
allem nach den Ereignissen in Frankreich
im Jahre 1789 und der Menschen- und Bürgerrechtserklärung.
Bereits unter der Regierung des Vizekönigs
Avilés kam Humboldt nach Lima (siehe
Vargas Ugarte, 1966, S. 39-176; Del Busto,
1994, S. 209-230). |
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Es ist
also umso erstaunlicher, dass trotz der
Fortschritte, die es in bestimmten Kreisen
bezüglich einer Öffnung für
neue Ideen und bezüglich der Gründung
fortschrittlicher Institutionen (u. a.
Convictorio de San Carlos) in Lima gab,
Humboldt in seiner Kritik an der Gesellschaft
von Lima so schonungslos ist und als kleine
Ausnahmen eine geringe Anzahl Kreolen
und Spanier vorstellt. Könnte es
sich dabei vielleicht um eine Strategie
handeln, um damit die dringende Notwendigkeit
der politischen Veränderungen oder
des Verhaltens der Gesellschaft zu unterstreichen?
Zitieren wir ihn mit seinem Brief an Ignacio
Checa: „Ein sehr trauriger Fall,
der den Regierungsstil erklärt, zeigt
die nachstehende Überlegung. In Lima
selbst habe ich nichts über Peru
erfahren. Dort wird nie ein Thema über
das allgemeine Wohl des Reiches behandelt.
Lima ist weiter weg als London und obwohl
man sich in keinem Teil des spanischen
Amerikas über zu viel Patriotismus
beklagen kann, kenne ich keinen Ort, an
dem dieses Gefühl weniger vorhanden
ist als hier. Ein kalter Egoismus beherrscht
alle und was man nicht am eigenen Leib
erleidet, interessiert niemanden“
(Brief, der bei Nuñez, 1971, S.
198 zu finden ist). |
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| Der
deutsche Gelehrte beschreibt auch die
wirtschaftliche Krise von Lima: „Heute
kommt in Lima niemand auf dreißigtausend
(Pesos Einkommen) und wenige auf zwölftausend.
Ich habe weder reich geschmückte
Häuser noch mit zuviel Luxus gekleidete
Damen gesehen und ich weiß, dass
die meisten Familien ruiniert sind.“
(Ibid. S. 197). |
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Er urteilt
ferner, dass die Dekadenz von Lima das
Ergebnis von - wie er es nennt - „der
Konfusion der Wirtschaft und des Spiels“
ist. Auf kulturellem Gebiet kritisiert
er die fehlende Freizeitgestaltung, unterstreicht
den Schmutz in der Stadt und die fehlende
Geselligkeit ihrer Leute, und ist radikal,
wenn er sagt, dass „Lima der letzte
Ort in Amerika sei, an dem er wohnen möchte“.
Abgesehen von gewissen unbestreitbaren
Wahrheiten, fragt man sich natürlich,
welche Unannehmlichkeiten können
ihm zugestoßen sein, die seine Meinung
so beeinflusste? Hatte es evtl. etwas
mit gewissen Synchronisationsproblemen
in seinem Fahrplan zu tun, seine Reiseschwierigkeiten
nach Mexiko, weil es kein Schiff gab oder
irgendein anderer frustrierender Vorfall?
Oder war es einfach sein Wunsch, seine
Unzufriedenheit gegenüber dem, was
Estuardo Nuñez „das offizielle
Land“ nannte und das fern von dem
„wirklichen Heimatland“ lag,
das Humboldt mehr schätzte, Ausdruck
zu geben? (Nuñez, 1971, S. 19). |
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Es sind
noch einige Fragen offen, aber wir können
auf keinen Fall die Überlegungen
übersehen, die der deutsche Gelehrte
über das Nationalbewusstsein der
Bewohner von Lima machte, der fehlende
Patriotismus, der Egoismus, der sie seiner
Meinung nach charakterisierte. All diese
Beobachtungen, die vor Jahren zu Ende
der Kolonialzeit von dem in Lateinamerika
bekanntesten Deutschen gemacht wurden,
sind auch heute noch ein Grund und eine
Motivation, weiter nach unserer Identität,
unserem nationalen Projekt, der Dezentralisierung
auf den verschiedenen Ebenen, nach besseren
Formen der Integration unter den Regionen
und Sektoren in unserem Lande zu suchen.
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