Erziehung zu sozialer Verantwortung

Anspruch der Schule ist es, nicht nur Bildung zu vermitteln, sondern auch soziale Kompetenz.
Unsere Gesellschaft besitzt aufgrund des Anspruchs auf immer mehr Leistung zunehmend den Charakter einer „Ellenbogengesellschaft“, so dass die Erziehung zur Rücksichtnahme auf den Anderen, manchmal den Schwächeren, an Bedeutung gewinnt. Soziale Werte, die schleichend ihre Bedeutung in unserer Gesellschaft verlieren, müssen wieder ins Bewusstsein gebracht werden.
Schule als Ort der sekundären Sozialisation hat deshalb in besonderem Maße die Aufgabe soziale Verantwortung zu vermitteln. Dies geschieht zuerst im Bereich Grundschule und muss sich, auf den jeweiligen Entwicklungsstand der Schüler achtend, in den anderen Stufen fortsetzen.
Um Schülern soziale Zusammenhänge unserer Gesellschaft deutlich zu machen, sollten sie schon frühzeitig ein realistisches Bild unserer sozialen Wirklichkeit bekommen.
Die Humboldtschule hat deshalb vor einiger Zeit beschlossen, neben den vielfältigen privaten Initiativen einzelner Lehrer, Eltern und Schülergruppen, bestimmte Sozialprojekte zu unterstützen.
Neben der Partnerschaft zwischen der Alexander von Humboldt-Schule und den staatlichen Schulen in Julcamarca, engagiert sich jede Abteilung in einem für die Altersstufe besonders geeigneten Projekt.
Die Primaria hat sich für eine Zusammenarbeit mit dem Westfalia Kinderdorf in Cieneguilla entschieden.
Die Leiterin des Kinderdorfes, Frau Lieselotte Schrader, kam zu einem ersten Gespräch am Pädagogischen Tag des Schuljahres 2004 und gemeinsam wurden Aktivitäten geplant, die einen beständigen Kontakt zwischen dem Kinderdorf und der Humboldt-Schule ermöglichen. Hierbei wurde vor allem darauf geachtet, dass die geplanten Aktivitäten sich so etablieren können, dass sie weitgehend unabhängig vom Engagement einzelner Personen sind und stattdessen fester Bestandteil der ritualisierten Aktivitäten der Primaria werden.
Nachdem alle Kollegen der Grundstufe das Kinderdorf besucht hatten und damit einen ersten Einblick in das Lebensumfeld der dort lebenden Kinder bekamen, wurden die jährlichen Aktivitäten modifiziert und wie folgt festgelegt:
Der Primariachor bemüht sich, bei geplanten Aufführungen Kinder aus dem Kinderdorf zu integrieren. Dezember 2004 fand das erste gemeinsame Weihnachtskonzert statt mit lateinamerikanischen Weihnachtsliedern. Die gemeinsamen Proben fanden z.T. in Cieneguilla, z.T. in der Humboldt-Schule statt. Die Kinder des Kinderdorfes haben einen Musiklehrer, der sie zweimal wöchentlich unterrichtet. Die Zusammenarbeit mit diesem Lehrer war optimal und zu den Kindern entstand eine echte Beziehung. Im Dezember 2005 führten wir die Weihnachtsgeschichte von C. Orff und G. Kethmann in der Schule auf. Westfalia-Kinder waren die Hirten, die in die Musik peruanische Folklore einbauten!
Die Fachschaft Sport der Primaria organisiert jährlich einen Sport-Spieltag, der im Wechsel einmal im Kinderdorf und einmal in der Humboldtschule stattfindet. Gruppen werden dabei so gebildet, dass ein gegenseitiges Kennenlernen möglich wird, und eventuelle Fremdheit abgebaut werden kann. Im Mai 2004 hat dann der erste „Sport- und Spieltag“ in Cieneguilla stattgefunden. Teilgenommen haben daran 90 Kinder der Humboldtschule (eine Klasse aus jedem Jahrgang) und 90 Kinder des Kinderdorfes. Unter strahlend blauem Himmel führten unsere kleinen Gastgeber ihre „Kollegen“ stolz durch ihr Dorf. Die anfängliche Zurückhaltung auf beiden Seiten war nach der ersten Schnuppertour verschwunden und in bunt gemischten Gruppen ging es in den folgenden Spielen ausgelassen zu.
Im September 2005 haben wir einen gemeinsamen Sporttag in unserem neuen Landschulheim in Huampani verbracht, der allen Kinder so gut gefallen hat, dass wir ihn sicherlich im laufenden Schuljahr wiederholen werden.
Soweit die Fachschaft Kunst der Primaria größere Aktivitäten, wie z.B. in der Projektwoche das Bemalen einiger Schulwände mit Blumenbeeten plant, werden Kinder des Kinderdorfes in diese Aktivitäten mit integriert.
Finden Vorstellungen der Primaria im Bereich Theater, Ballett oder Musik statt, so werden Kinder des Kinderdorfes dazu eingeladen.
Bei allen Aktivitäten ist die Aufgabe der Kolleginnen und auch der Erzieherinnen des Kinderdorfes, auf die von beiden Seiten gewünschte integrative Wirkung zu achten. Die Kontaktmöglichkeiten mögen klein erscheinen, - die Bilder zeigen jedoch wohl mehr.